Verkehr, Schule, Sporthalle – Bürgerversammlung für Kaulsdorf hatte umfangreiches Programm

Versammlung02Der Saal in der Ulmen-Grundschule in Kaulsdorf war gut gefüllt, als Kristian Ronneburg, Wahlkreisabgeordneter für Hellersdorf-Süd/Kaulsdorf-Nord und Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle die Versammlung eröffneten. Die Schulleiterin begrüßte die Anwesenden ebenfalls recht herzlich und machte deutlich, dass zwar schon einige Fortschritte in Bezug auf die angespannte Raumsituation gelungen sind, es jedoch auch noch weiterer gemeinsamer Anstrengungen von Schule und Bezirksamt bedarf, bis beispielsweise die neue Mensa ein lebendiger Ort für alle Kiez geworden ist und die Schülerinnen und Schüler wieder an der eigenen Schule Sport treiben können.

Zum nunmehr zweiten Mal hatte der Abgeordnete Bürgerinnen und Bürger aus dem Stadtteil eingeladen, um über die drängendsten Themen zu diskutieren. Die Versorgung mit Kita- und Schulplätzen, der seit langem geforderte Neubau einer Sporthalle in der Bergedorfer Straße, die geplante Sanierung der Chemnitzer Straße, Wohnungsneubau und weitere Themen standen im Mittelpunkt der Zusammenkunft.

Im ersten Teil der Versammlung widmeten sich Gäste und Podium der Situation an der Ulmen-Grundschule. Neben dem schon erwähnten Lob für sichtbare Fortschritte in Sachen Essensversorgung – die Umbau der Mensa soll Ende 2020 fertig sein – , wurde der aktuelle Stand zum Neubau einer Sporthalle in der Bergedorfer Straße diskutiert. Schule, Eltern und Bezirkspolitik engagieren sich für eine notwendige Änderung des Bebauungsplans. Dieser sieht bisher ausschließlich eine Wohnbebauung auf dem brachliegenden Gelände vor. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle konnte berichten, dass die B-Plan-Änderung vom Stadtentwicklungsamt Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. Dann erfolgt zunächst die öffentliche Auslegung. In diesem Verfahrensschritt können Bürgerinnen und Bürger Hinweise und Einwendungen einreichen. Auch betroffene Behörden und Gremien der Verwaltung werden vom Bezirksamt zur Abgabe von Stellungnahmen aufgefordert. Im Anschluss werden diese ausgewertet und die Planungen ggf. angepasst. Erst danach kann der Bebauungsplan festgesetzt werden.

Der Bau der Sporthalle selbst im beim Senat beantragt. Es wird eine sogenannte Typensporthalle werden. Das heißt, dass es sich um einen standardisierten Entwurf handelt und die Planungen des Baus wesentlich einfacher und schneller vollzogen werden können. Welche konkrete Größe die Halle bekommen wird – zwei- oder drei Felder – wird noch geprüft. Klar ist aber, dass es nicht mehr als 60 Zuschauerplätze geben soll. Wann genau mit dem Baubeginn zu rechnen, konnte die Bezirksbürgermeisterin nicht sagen, versprach aber, dass das Bezirksamt intensiv an einer schnellen Umsetzung arbeitet. Mit einer Fertigstellung ist im Jahr 2024 zu rechnen. Die bisher notwendigen Schüler*innen-Transporte zu einer entfernten Sporthalle sind nicht nur für die Kinder eine tägliche Belastung, sie kosten auch viel Geld, das an anderer Stelle im Schulamt nötiger wäre.

Typensporthalle

Entwurf Typensporthalle für Berlin, Frontansicht (Bildquelle: stadtentwicklung.berlin.de)

Neben dem berechtigten Drängen der Schule und Eltern auf einen raschen Neubau, gab es aber auch grundsätzliche Bedenken gegen den Bau der Sporthalle in der Bergedorfer Straße. Anwohnerinnen und Anwohner befürchten einen massiven Anstieg des Verkehrs durch Turniere und andere Sportveranstaltungen. Auch zusätzlicher Lärm wird vermutet. Eine Anwohnerin betonte, dass diesen Bedenken besser hätte entgegengewirkt werden können, wenn die Menschen vor Ort von Anfang an besser informiert und beteiligt werden würden. Dagmar Pohle versprach dafür zu sorgen, dass zu dem Gesamtkomplex Neubau einer Sporthalle in der Bergedorfer Straße, alle Beteiligten – Schule, Anwohnerinnen und Anwohner und Bezirksamt – schnell an einen Tisch kommen, um alle weiteren Schritte gemeinsam zu besprechen, Bedenken ernst zu nehmen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

Ebenfalls großes Interesse gab es zur geplanten grundhaften Sanierung der Chemnitzer Straße. Bisher verzögerten sich die notwendigen Planungen, da noch nicht alle Details des Bebauungsplans am nördlichen Kopf der Straße feststanden. Dort soll Wohnungsneubau an die Stelle des bisherigen Gewerbes treten. Straßenverbindungen in dem Gebiet westlich der Chemnitzer Straße werden neu gezogen und das gesamte Vorhaben hat natürlich auch Auswirkungen auf den Straßenraum der Chemnitzer selbst.

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Entwurf Bebauungsplan 10-86, neues Wohngebiet westlich Chemnitzer Straße, südlich Alt-Kaulsdorf

Dagmar Pohle konnte nun erfreut berichten, dass die ersten Planungen für die Sanierung der Straße von Alt-Kaulsdorf bis zur Lindenstraße eingeleitet wurden. Von vielen Anwesenden erfragte Details, wie der Erhalt von Straßenbäumen, die Anordnung von Fuß- und Radwegen, neue Querungen der Straße und Lärmschutz, konnte die Bezirksbürgermeisterin noch nicht nennen. Dies wird nun erst in den bevorstehenden Planungsschritten erarbeitet. Sie ermunterte daher die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorschläge dem Straßen- und Grünflächenamt zukommen zu lassen, damit diese berücksichtigt werden könnten. Auch eine weitere Versammlung rund um die Sanierung der Chemnitzer Straße regte Kristian Ronneburg an, um diesen Prozess kontinuierlich zu begleiten. Baubeginn ist voraussichtlich 2022.

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Im dritten Teil der Versammlung informierten Kristian Ronneburg und Dagmar Pohle über weitere Vorhaben in Kaulsdorf und die Anwesenden nutzten rege die Möglichkeit eigene Themen zu platzieren und Fragen zu stellen.

Im kommenden Jahr wird die denkmalgerechte Sanierung der Kaulsdorfer Dorfstraße beginnen und voraussichtlich 2021 abgeschlossen sein. Neben der Erneuerung der Fahrbahn, werden Fuß- und Radwege unter Einhaltung des Denkmalschutzes gebaut.

Ein barrierefreier Übergang am S-Bahnhof Kaulsdorf auf die Südseite ist durch den Senat gegenüber der Deutschen Bahn beauftragt und finanziell abgesichert. Die DB ist nun in der Verantwortung die notwendigen Planungen schnell zu erarbeiten und den Bau durchzuführen. Wann dies genau geschehen wird, konnte die Bahn bisher nicht mitteilen.

Gelände ehemaliger Güterbahnhof Kaulsdorf

In diesem Zusammenhang wurde das Bauvorhaben des privaten Besitzers der Grundstücke des ehemaligen Güterbahnhofs diskutiert. Dieser wollte ursprünglich Wohnungen errichten. Diese Überlegungen wurden jedoch verworfen. Derzeit wird von Gewerbe- bzw. Büroräumen ausgegangen. Auch hier ist ein Baubeginn noch nicht absehbar, der Investor hat noch keinen Bauantrag an das Bezirksamt gerichtet.

Über neue Fortschritte bei der Entwicklung des ehemaligen Wernerbadgeländes konnte Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle dann noch berichten. Nach dem erfolglos beendeten Konzeptverfahren zum Verkauf des Grundstücks, hatte sich der Senat entschieden, die Fläche im Landeseigentum zu behalten und durch eine landeseigene Gesellschaft bebauen zu lassen. Weiterhin ist die Errichtung einer Pflegeeinrichtung das Ziel. Nunmehr wurde das Grundstück aus dem Eigentum der Berliner Bäderbetriebe der Berlinovo übertragen. Diese wird jetzt die Planungen für eine Pflegeeinrichtung und den Bau übernehmen. Wer diese Einrichtung letztlich betreiben wird, ist noch unklar. Vivantes wäre hier eine bereits öffentlich genannte Möglichkeit. DIE LINKE setzt sich neben der Entwicklung des Geländes im vorbenannten Sinne auch für die öffentliche Zugänglichkeit des Wernersees und der angrenzenden Parkanlage ein. Hierzu hat die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung mehreren Beschlüsse durchgesetzt. Am 21. November 2019 hat sich das Bezirksparlament erneut dafür ausgesprochen, mit der jetzigen Inhaberin, der Berlinovo, eine dauerhafte Nutzungsvereinbarung zu schließen. Ziel ist es, neben dem notwendigen Schutz des Wernersees als Biotop, eine Begehbarkeit und Nutzung der Grünanlage als Erholungsfläche zu ermöglichen. Die Berlinovo hat ihrerseits bereits Gesprächsbereitschaft bekundet.

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Entwurf Bebauungsplan 10-63, ehemaliges Wernerbad-Gelände

Nach mehr als zwei Stunden lebhafter Diskussion bedankte sich der Gastgeben Kristian Ronneburg bei allen Anwesenden, der Bezirksbürgermeisterin und der Schulleiterin und versprach auch im kommenden Jahr wieder zu Einwohnerversammlungen im Stadtteil einzuladen. Außerdem werden alle aufgeworfenen, unbeantworteten Fragen bearbeitet, beantwortet und veröffentlicht. Zur Sporthalle in der Bergedorfer Straße und zur Sanierung der Chemnitzer Straße wird der Abgeordnete dem Bezirksamt beraten, wie allen Beteiligten angemessen Gehör verschafft werden kann.